Das Museum
Das neue Museumsgebäude bietet mit einer Fläche von über 700 Quadratmetern ideale Voraussetzungen für eine abwechslungsreiche und besuchergerechte Präsentation der Sammlung. Ein Rundgang durch das Haus ermöglicht Einblicke in die 1000-jährige Geschichte der Stadt Herzogenaurach und ihrer Bewohner.
Der Ausstellungsbereich Stadtgeschichte thematisiert den Alltag der Ackerbürger in einem bischöflichen Landstädtchen, die Organisation des städtischen Gemeinwesens und die Rechte des Landesherrn. Der inszenierte Einzug einer Pfründnerin ist Blickpunkt des Themenbereichs zur Historie des Spitals und des städtischen Sozialwesens. Realien der Zünfte geben Aufschluss über die wichtigen Funktionen der Handwerksorganisationen. Die Auswirkungen der Kriegs- und Krisenjahre der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf die Stadt werden anhand eines Glasgemäldefensters aus dem historischen Rathaus beleuchtet.
Der umfangreiche Ausstellungsbereich Handwerk und Industrie zeigt Exponate zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt vom Mittelalter bis zum Strukturwandel nach dem Zweiten Weltkrieg. Schwerpunkte bilden die über 500 Jahre ortsbeherrschende handwerkliche Tuchmacherei sowie die frühen Anfänge der modernen Sportschuhindustrie. Handwerksgeräte der Tuchmacher und Schuhe aus der Anfangszeit der heute international tätigen Sportartikelkonzerne Adidas und Puma sind hier zu sehen.
Der Blick in eine Schuhmacherwerkstatt und in eine Schuhfabrik aus der Zeit um 1900 regen zu einem Vergleich der veränderten Arbeitsbedingungen im Zug der fortschreitenden Industrialisierung an. Eine 1968 hinzugekommene Privatsammlung umfasst neben Kunstgewerbe und bürgerlicher Wohnkultur Grafikblätter sowie seltene Druckschriften. Im früheren Speicherboden des Spitals sind neben sakralen Gemälden und Skulpturen Werke des malenden Pfarrherrn Michael Störcher und der Herzogenauracher Ehrenbürgerin Maria Lerch zu sehen. Eine Inszenierung ermöglicht einen Blick in das Atelier der Bildhauerin. Eine umfangreiche Sammlung von Zeugnissen des Volksglaubens aus der Zeit des Mittelalter bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert gibt Einblick in die Bedeutung der Frömmigkeit in der traditionell katholischen Stadt.
Bereits im Jahr 1908 eröffnete der Historische Verein im Herzogenauracher Stadtturm ein erstes Museum. Der Verein rettete auf diese Weise Dinge, die Zuge der Industrialisierung zu verschwinden drohten. Realien der Zünfte, alte Handwerksgeräte sowie volkskundliche Objekte gehören zum Altbestand des Museums. In der Zeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs ging durch Plünderungen ein wertvoller Teil der ausgelagerten Bestände verloren. Seit 1969 war die Sammlung im ehemaligen Amtsschloss untergebracht. Die Sammeltätigkeit des Herzogenauracher Heimatvereins e.V., der das Museum bis 1989 ehrenamtlich betreute, ließ den Bestand wieder erheblich ansteigen.
Im Herbst 2000 wurde das Museum im ehemaligen Spital zum Heiligen Geist am Herzogenauracher Kirchenplatz neu eröffnet. Das Spital geht auf eine Stiftung des geborenen Niederndorfers Conrad Reyter zurück, der 1508 eine Einrichtung zur Versorgung alter und behinderter Bürgerinnen und Bürger der Stadt erbauen ließ. Das spätmittelalterliche Fachwerkgebäude, ein Baudenkmal von überregionaler Bedeutung, gehört zu den interessantesten Gebäuden der Stadt Herzogenaurach.Das größtenteils in Originalsubstanz erhaltene Baudenkmal wurde aufwändig in historischen Techniken restauriert. Der mächtige Stockwerkbau mit zwei Gewölbekellern zeigt im Erdgeschoss verputztes Werksteinmauerwerk, die oberen Geschosse wurden in Fachwerkkonstruktion errichtet. Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss dienten zur Unterbringung von sechs Pfründnerinnen und Pfründner. In den beiden weiträumigen Speichergeschossen wurde Getreide gelagert. Interessante Befunde zu Bautechnik und Baugeschichte wurden sichtbar gelassen und werden während des Rundgangs durch das Museum erläutert.