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Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus

Ermordet und vergessen – Erinnern an die zehn Herzogenauracher Opfer des nationalsozialistischen
Euthanasie-Tötungsprogramms T4

©wikimedia commons / Abholungsbus der Tötungsanstalt HartheimIn der Zeitspanne zwischen Juli 1940 und Juni 1941 wurden zehn Herzogenauracher Bürger – sieben Frauen und drei Männer – in extra zu diesem Zweck geschaffenen Tötungsanstalten vergast.
Unter den Opfern waren Hausfrauen und Mütter, aber auch ehemalige Soldaten und ein Tabakwarenhändler. Ihr Vergehen? Sie lebten ein – im Nazijargon – als „unlebenswert“ erachtetes Leben, da sie aufgrund einer geistigen oder körperlichen Behinderung bzw. einer neuronalen Erkrankung oder psychischen Störung in einer Pflegeeinrichtung untergebracht waren oder entsprechender Behandlung bedurften.

Die zehn Herzogenauracher waren Opfer der so genannten Aktion T4, der systematischen Ermordung geistig und körperlich Behinderter, der in der Phase zwischen Januar 1940 und August 1941 über 70000 Menschen aus unterschiedlichsten Heimen und Krankenhäusern aus dem gesamten Deutschen Reich zum Opfer fielen. Gemäß einer persönlich von Hitler verfassten Anordnung im September 1939 sollten als „unheilbar krank“ eingestufte Patienten durch einen „gnädigen Tod“ von ihrem vermeintlichen Schicksal erlöst werden. Darüber hinaus bot die Aktion T4 den Nationalsozialisten auch die Möglichkeit sich politisch und andere unbequemer Personen zu entledigen, in dem man sie als psychisch Kranke deklarierte. Die barbarische Realität sah vor, dass einfach alle, denen aufgrund einer – wie auch immer gearteten – Beeinträchtigung weder der Kriegseinsatz noch eine – in den Augen der Nationalsozialisten – effiziente Arbeitsleistung möglich war, ausgelöscht wurden, da sie darüber hinaus als Belastung für die „Volksgemeinschaft“ als auch als Gefahr für die „rassische Gesundheit“ der deutschen Nation gesehen wurden. Daraus folgte, das z. B. depressive Menschen oder Personen, die einen Nervenzusammenbruch erlitten hatten, als „erbkrank“ bezeichnet und somit zum Tode verdammt waren. Dies war auch bei den zehn Herzogenauracher Opfern der Fall. Sie litten unter anderem an Demenz, manischen Depressionen, Epilepsie und Alkoholismus. Einige waren nur wenige Monate vor Ihrer Ermordung in psychiatrischen Anstalten untergebracht.

Vortrag von Dr. Mark Deavin

Im Vortrag von Dr. Mark Deavin werden die Lebensspuren der Ermordeten sichtbar gemacht und die Umstände ihrer grausamen Ermordung durch das Naziregime aufgedeckt. Die Herzogenauracher Opfer der Aktion T4 sind bislang im öffentlichen Bewusstsein nicht präsent. Nun kann ihrer erinnert und gedacht werden. Dr. Mark Deavin studierte Geschichte und Jura an den Universitäten von Leeds und London und promovierte 1996 mit einer Arbeit über die Anfänge des europäischen Gedankens in Großbritannien an der London School of Economics and Political Science. Kurze Zeit später zog er nach Deutschland und lebt seit 1999 im Landkreis ERH bzw. in Herzogenaurach.
Samstag, 27. Januar 2018, 19.00 Uhr, Sitzungssaal des Rathauses, Markplatz 11, Eintritt frei!

Geschichte des Gedenktages

Am 27. Januar 1945 wurden die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit. Auschwitz steht wie kein anderes Konzentrationslager als Symbol für den millionenfachen Mord des NS-Regimes vor allem an Juden, aber auch an anderen Volksgruppen.

Deshalb wurde der Tag der Befreiung 1996 zum ersten Mal als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Der 27. Januar soll, wie es der damalige Bundespräsident Roman Herzog in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag ausdrückte, als zentraler Gedenktag „aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden lassen“.

Der Deutsche Bundestag trifft sich an diesem Tag alljährlich zu einer Gedenkstunde. Der Kulturausschuss des Herzogenauracher Stadtrats hat 2004 beschlossen, diesem Beispiel zu folgen und der Opfer des Nationalsozialismus durch eine geeignete Kulturveranstaltung zu gedenken.

Kontakt

Stadt Herzogenaurach

Amt für Stadtmarketing und Kultur
Herr Biehler

Marktplatz 11
91074 Herzogenaurach

Telefon +49 (0)9132 / 901-120
E-Mail biehler@herzogenaurach.de